"Ich kenne kein vergleichbares System, das wie die Actyx-Plattform funktioniert"

April 14th 2020 by Maximilian Fischer

Marcell Pollley, Prokurist von focus Industrieautomation, gibt Einblicke aus erster Hand, wie ein erfolgreicher, mittelständischer Industrie Automatisierungs- und IT-Dienstleister glaubt, wie sich der Fertigungsmarkt verändert, warum Edge- und Cloud-Computing bei dieser Veränderung eine Schlüsselrolle spielen werden und warum sie sich für die Actyx-Plattform entschieden haben.

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Actyx: Was ist deine Position bei focus Industrieautomation?

M. Polley: Ich bin Prokurist bei der Firma focus und dabei im Projektmanagement tätig und für den Vertrieb verantwortlich.

Actyx: Was ist dein persönlicher Hintergrund?

M. Polley: Ich habe eine klassische Ausbildung im Elektro-Handwerk gemacht, und kurz danach einen staatlichen Techniker für Energie- und Prozessautomatisierung. Anschließend habe ich neun Jahre als Programmierer im Automatisierungsumfeld gearbeitet und dann über die Abendschule einen technischen Betriebswirt gemacht. Schließlich bin ich dann zur Firma focus gewechselt, bei der ich mittlerweile auch schon seit 9 Jahren bin .

Actyx: Welche Leistungen bietet Ihr Euren Kunden an?

M. Polley: Wir sind ein Dienstleister für IT und Automatisierungslösungen, kommen dabei klassisch aus der Automatisierungstechnik. Wir sind stark im Siemens Ökosystem vertreten, sind mittlerweile aber ziemlich Herstellerunabhängig. Wir haben schon früh erkannt, dass die IT ein wesentlicher Bestandteil der Automatisierung sein wird, und haben daher schon vor über 20 Jahren angefangen, IT-Personal auszubilden und einzustellen. Mittlerweile sind mindestens ein Drittel von unseren Leuten IT-ler oder Fachinformatiker.

Actyx: Wie sehen Eure typischen Kunden aus?

M. Polley: Wir sind da sehr breit gefächert. Wir haben Kunden in der Pharma-, Chemie- und Prozess-Industrie, sowie Anlagen- und Maschinenbauer und öffentliche Träger im Bereich Wasser und Abwasser.

Actyx: Was war bisher das aufregendstes Projekt?

M. Polley: Ein Highlight war sicherlich der Porsche Design Tower in Miami Beach. In dem Hochhaus gibt es ein Parksystem, bei dem du mit deinem Auto in die Tiefgarage fährst und das Auto dann vollautomatisch in dein Wohnzimmer in den 56. Stock gefahren wird. Dazu hat sogar Galileo von ProSieben einen Video-Beitrag gemacht. Das System haben wir zusammen mit deinem deutschen Anlagenbauer konzipiert und programmiert.

Actyx: … das ist wirklich ein eindrucksvolles Projekt.

M. Polley: … auf jeden Fall. Der Besitzer war auch sehr stolz, dass er das teuerste Parkhaus der Welt entwickelt hat.

Porsche Design Tower in Miami

Actyx: Was sind die größten Herausforderungen im Moment für Euch?

M. Polley: Die größte Herausforderung ist ganz klar, dass die Komplexität in den Projekten immer größer wird, es wird immer mehr IT-Integration gefordert. Auch die Sicherheitsanforderungen in OT und IT werden immer höher. Zudem ist das Thema Digitalisierung zunehmend wichtiger, alle Kunden wollen mehr und mehr digitalisieren. Dabei sind sich viele Kunden nicht immer ganz im Klaren was sie eigentlich wollen. Unsere Stärke ist sicherlich unseren Kunden den Mehrwert von digitalen Lösungen näher zu bringen. So reicht es beispielsweise nicht, nur zu erklären, dass man durch Digitalisierung Zugriff auf Daten hat, sondern was man damit erreichen kann – bessere Qualität, höhere Ausbringung oder höhere Anlagenauslastung.

Actyx: Wie werden sich die Fabrik deiner Meinung nach in den nächsten Jahren ändern?

M. Polley: Ich bin der festen Überzeugung, dass sie viel digitaler werden. Die Produktion wird viel dynamischer, Losgrößen fallen und Produkte werden individuell für den Kunden anpasst werden. Dazu braucht man intelligente cyber-physische Systeme, die in der Lage sind, selbständig Entscheidungen zu treffen und sich selber zu optimieren. Anlagen optimieren sich durch KI und es werden mehr und mehr Roboter in die Fabriken kommen. Schließlich werden automatisierte Intralogistik Systeme intelligent mit der Produktion verknüpft, um das Material optimal durch die Produktion zu lenken.

Actyx: Wie verändert sich euer Geschäft dadurch?

M. Polley: Für uns gilt es immer am Zahn der Zeit zu bleiben, neue Konzepte mitzugehen und das schon frühzeitig unseren Kunden mit anzubieten. Es ist immer leichter, wenn du der Erste im Markt bist und nicht der Nachzügler, der die gleiche Lösung anbietet, die jeder andere schon hat.

Actyx: Welche Konzepte sind für dich dabei die wichtigsten Zukunftsthemen?

M. Polley: Die Zukunftsthemen sind für uns Edge-Computing sowie die Cloud. Wir sehen ganz klar die Notwendigkeit Daten auf der Edge zu verarbeiten, dort Prozesse und Aufträge zu steuern und Qualität zu kontrollieren. Die Cloud ist dann unglaublich stark eine Datendurchgängigkeit zu schaffen, Daten zu analysieren und Daten an allen Orten dieser Welt zugänglich zu machen. Bei der Cloud setzen wir stark auf Mindsphere von Siemens und auf der Edge auf die Actyx Plattform. Wir sind schon dabei, und werden verstärkt Apps für diese Bereiche entwickeln.

Actyx: Wie wichtig ist es für Euch dabei Euer Angebot zu standardisieren? Bisher bietet ihr hauptsächlich kundenspezifische Lösungen an.

M. Polley: Das stimmt, wobei wir schon immer auf Standardisierung gesetzt haben. Unsere Lösungen bauen wir zum großen Teil mit einer von uns eigen entwickelten Baustein Bibliothek. Neu für uns ist, dass wir auf einmal Apps einer breiten Masse zur Verfügung stellen können. Wir entwickeln zum Beispiel gerade eine App, um das Verhalten von einer Pumpe zu analysieren und Anomalien und Fehler zu entdecken. Wir haben die App gleich sehr generisch aufgebaut, sowohl für die Cloud als auch für die Edge, weil wir wissen, dass wir die App nun über einen Siemens und einen Actyx Marktplatz einer breiten Masse zugänglich machen können. Die Möglichkeiten gibt es ja erst seit kurzem, und das ist wirklich sehr aufregend für uns.

Actyx: Was war eigentlich der ausschlaggebende Grund auf die Actyx Plattform zu setzen?

M. Polley: Wir sind einfach von eurem Konzept der Dezentralität sehr überzeugt, die auf einmal eine Lösung ohne zentralen Server ermöglicht. Das ist für uns auch wirklich neu, weil wir bis dahin immer sehr zentralisiert gefahren sind, mit einer Datenbank irgendwo auf einem Server. Bisher haben wir die Daten aus den Maschinen erfasst, auf den Server geschickt und dann von dort wieder zurück an die Maschinen gespielt. Das Problem ist dabei, dass man immer auf die Verbindung mit dem Server angewiesen ist; wenn die mal nicht da ist, weil z.B. das Netzwerk ausfällt, dann steht die Produktion still. Das ist natürlich eine Katastrophe. Da ist es viel besser, wenn ich die Daten direkt an der Maschine aufnehme, verarbeite und dann später, bei Bedarf, an einen zentralen Server schicken kann. Ich war wirklich begeistert, als ich das erste Mal von Eurem Ansatz gehört habe. Jeder, dem ich das dann danach erzählt habe, hat bestätigt, dass das eigentlich ja der viel bessere Weg ist, und dass diese starke Zentralität eigentlich Quatsch ist.

Actyx: Wie teuer ist so ein Netzwerkausfall für eine Fabrik?

M. Polley: Ich habe dazu neulich eine Studie der MicroNova AG gelesen. Im Schnitt kostet eine Minute Stillstand ca. 5‘000 EUR, d.h. 300‘000 EUR pro Stunde. Nur 2% der Firmen schaffen es einen Netzwerkausfall innerhalb einer Stunde zu beheben, im Schnitt dauert das 5 Stunden, da kommt schon eine Menge Holz zusammen. Selbst wenn der Ausfall nur einmal im Jahr vorkommt.

Actyx: Wie ist 5G in diesem Kontext zu bewerten?

M. Polley: LTE, 5G oder WLAN in den letzten Teil der Anlage zu bringen ist unglaublich schwierig; in so einer Fabrik gibt es einfach eine Menge Stahl und Beton. Bei 5G ist das ja eigentlich noch schwieriger, ich brauche noch mehr Sendemasten, da die Reichweite kürzer ist.

Actyx: Warum habt ihr eigentlich nicht früher schon auf einen dezentralen Ansatz gesetzt?

M. Polley: Weil mir vorher einfach keine Lösung bekannt war, die das kann, was Euer System kann. Ich kenne nichts Vergleichbares, das so arbeitet wie die Actyx Plattform.

Actyx: Wie plant ihr die Actyx Plattform in der Zukunft einzusetzen?

M. Polley: Wir sehen grundsätzlich ein riesen Potential, vor allem bei Kunden, die den Wunsch haben, mehr Wissen und Kontrolle über ihre Prozesse und Anlagen zu bekommen. Die Notwendigkeit einer Datenverarbeitung auf der Edge sehe ich bei einem Großteil unserer Kunden. Die Digitalisierung hat ja gerade erst begonnen, und durch die Cloud Lösung von Siemens und mit eurer dezentralen Edge-Plattform sind wir, glaube ich, sehr gut aufgestellt.

Actyx: Vielen Dank für das Interview!

M. Polley: Sehr gerne!

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